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Personen A-Z  >  Aebte des Klosters St. Gallen  >  Abt Bernhard Müller (1594-1630)

Abt Bernhard Müller (1594-1630)

Abt Bernhard Müller

Bernhard Müller, 1594-1630. Geboren 1557 als Sohn von Brosi Müller und Magdalena Lutz in Ochsenhausen. Vom 9. bis zum 16. Lebensjahr besuchte er die Lateinschule im Kloster Ochsenhausen. 1574 kam er nach St.Gallen. Profeß am 17.12.1576. Nach dem Studium der Syntax, Humaniora, Rhetorik und Philosophie von 1577 bis 1583 in Dillingen wurde er am 19.4.1582 Baccalaureus philosophiae, am 18.6.1583 Licentiatus und am 21.6.1583 mit "summa cum laude" Magister artium liberalium. Er verfaßte damals auch lateinische Gedichte. Subdiakon wurde er 1583, Diakon und Priester 1584. Am 5.5.1588 wurde er in Dillingen zum Baccalaureus theologiae promoviert, am 11.12.1589 zum Licentiatus und schließlich am 26.10.1593 nach vorausgehender öffentlicher Disputation einen Tag zuvor zum Doctor theologiae. In der Folge predigte er häufig in St. Gallen und in den Kollaturpfarreien. Als Dekan wurde er am 27.8.1594 zum Abt erkoren. Konfirmation am 12.12.1594 nach etlichen Schwierigkeiten mit der Kurie durch Papst Clemens VIII. Benediktion am 16.10.1595. Clemens VIII. erließ am 18.3.1595 ein Breve gegen Wahlkapitulationen, wie sie noch bei der Wahl Bernhards geschlossen worden waren. Im April 1595 nahm der neue Abt die Huldigung der Untertanen entgegen. Nuntius Portia nahm am 13.2.1595 in St. Gallen eine Visitation vor und versuchte in einem Reformdekret, die Abstellung der noch vorhandenen Mißstände zu erreichen. Am 14.6.1595 bestätigte Kaiser Rudolf II. dem Abt die Regalien. 1602 gründete der Abt zusammen mit seinen Kollegen von Einsiedeln, Muri und Fischingen die Schweizerische Benediktinerkongregation. 1614 erschien dann das in Rorschach gedruckte schweizerische Benediktinerbrevier, ein Unternehmen der Kongregation. Seit 1602 prozessierte St. Gallen mit Konstanz über die geistliche Jurisdiktion des st. gallischen Untertanengebietes und der Pfarreien. Schließlich entschied am 1.3.1613 die Römer Rota zugunsten von St.Gallen. Durch das Konkordat mit Konstanz von 1613 wurde das Offizialat St.Gallen geschaffen und die Pfarreien des Abteigebietes von der kirchlichen Jurisdiktion des Konstanzer Bischofs befreit. Am 22.8.1614 wurde P. Jodok Metzler erster Offizial. Regelmäßig wurden die Pfarreien vom Abt visitiert, so erstmals 1603, dann unter Bernhard Müller noch 1612/13, 1615, 1618, 1621/22 und 1627. Von Wangen kaufte Abt Bernhard am 16.12.1608 um 22 000 Gulden Neu-Ravensburg zurück, nachdem das Reichskammergericht von Speyer den Verkauf von 1586 als ungültig erklärt hatte. Das abgebrannte Schloß ließ er wieder aufbauen. 1609 plante er den Kauf der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg. Papst Paul V. erteilte am 25.6.1609 die Erlaubnis zum Verkauf von Gütern, zumal im Zürcher Gebiet, um den Kauf dieser Herrschaften zu finanzieren. 1613 erwarb er um 72 000 Gulden von den Edeln von Bodmann die Herrschaften Homburg und Stahringen am unteren Bodensee, 1621 um 71 800 Gulden die Herrschaft Ebringen im Breisgau, die bereits bis 1349 St. gallisch gewesen war. Unter seiner Herrschaft fiel auch das Dorf Norsingen, ein Lehen der Edeln von Staufen, an St. Gallen zurück. 1610 führte er das Leinwandgewerbe in Rorschach ein. Zu diesem Zwecke holte er Balthasar Hofmann von Konstanz nach Rorschach. Es mußten dafür auch die nötigen Einrichtungen geschaffen werden. Die Reform der Klöster Engelberg, Rheinau, Fulda, Marienberg, Kempten und Murbach förderte er durch die Entsendung von St. Galler Konventualen als Administratoren. 1626 brannte das Kloster St. Johann ab. Der Neubau wurde an einem anderen Ort, bei Sidwald in der Nähe von Nesslau (Neu St. Johann), errichtet. Abt Bernhard hat auch die neue Otmarskirche in St. Gallen erbauen (1628 eingeweiht) und die Schlösser Iberg, Schwarzenbach und Romanshorn renovieren lassen. Mit den europäischen Mächten schloß er Bündnisse und Soldverträge. Aus Gesundheitsgründen resignierte er am 13.4.1630. Gestorben ist er bereits am 18.12.1630 in Rorschach. Mit Abt Bernhard beginnt die Reihe der Äbtetagebücher und der Äbteporträts.

(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)

Abt Bernhard Müller (1594-1630)
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Letztes Update: 31.01.2019