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Bildende Kunst  >  Bildhauerei  >  Werner Hilber (1900 - 1989)  >  Werner Hilber - Das Schaffen bis 1989

Werner Hilber - Das Schaffen bis 1989

Zürich 1965 - 1989, Atelier Chorgasse

1965 bezog Werner Hilber ein neues Atelier an der Chorgasse 11. Seine Kreativität war ungebrochen, immer wieder probierte er Neues aus, versuchte verschiedene Arten der Darstellung und der Maltechnik. Die ungeheure, gleichzeitige Stilvielfalt in seinem Werk ist erstaunlich. Kompositionen aus Linien und farbigen Flächen wie das Kriegerbild, eigentlich geometrisch-konstruktiv angelegt in der Aufteilung des Bildraums, belebt Werner Hilber mit seinen eigenen Schöpfungen (Krieger, eine sitzende Frau, zwei Ziegelköpfe) und verleiht dem Bild damit eine surrealistische Note. Einmalig in seinem Schaffen sind zwei rein abstrakte Werke: ein organisch-florales Bild in schwarzweiss und eine eher geometrisierende Komposition in schwarzweiss, grau und gelb. Eine surrealistisch-humorvolle Schöpfung ist die Rossapfel-Familie. Daneben schien Werner Hilber sich vermehrt mit Farbwirkung und der Erzeugung einer bestimmten Stimmung und Atmosphäre durch Farben zu beschäftigen. Eine in der Farbgebung eher zurückhaltende Komposition, eher eine Farbstudie, ist das Bild Gemeinschaft. Eine mythisch-geheimnisvolle Atmosphäre wird in einem symbolistischen Figurenbild heraufbeschworen, das an ein religiöses Ritual erinnert. Ähnlich in der dunklen Farbgebung, aber expressiv in der Aussage, ist das Selbstbildnis mit dem mächtigem Brustkasten. Dass dieser Brustkasten so kraftvoll wirkt mag daran erinnern, dass seine frühere Lungenkrankheit nun endgültig überwunden ist.
Ganz im Gegensatz dazu der Maler mit Palette, in warmen Rot- und Gelbtönen mit weissen und dunklen Akzenten. Der Hintergrund wird durch feine Linien strukturiert, Körper und Hintergrund haben teilweise dieselbe Farbe, nur durch die hellen Linien der Konturen wird eine Grenze gezogen. Das Ganze wirkt sehr leicht und durchlässig, der Maler ist offen für die Inspiration.
Auch in der Plastik geht Werner Hilber neue Wege und probiert neue Materialien aus: zu Holz und Ton kommen neu Metallskulpturen. Zunächst entstanden mehrere Plastiken aus Holz, sehr vielfältig in der Ausführung: es gibt weiche, organische Figuren (Die beiden Schwestern), die an Werke von Hans Arp erinnern; eine expressionistisch anmutende Taube; kubistische Arbeiten aus glasierter Keramik wie der Musensohn und Gespräch im Treppenhaus. Der Musensohn kann als symbolisches Selbstbildnis betrachtet werden. Auffällig sind der kleine Kopf und die Klaviatur.
Aus zwei einzelnen Holzstücken entstanden spielerische Arbeiten, bunt bemalt, die sich beliebig verändern lassen.
Um 1970 entstand das Bronze-Relief In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, das sich seit 1989 an der Aussenmauer der Friedhofkapelle in Wil befindet.
Zum malerischen Schaffen dieser Zeit gehört das Selbstbildnis. Im Vordergrund der Künstler mit schlohweissem Haar und Ringelpulli. Durch den hellen Hintergrund mit den spielerischen Figuren entsteht eine heitere Stimmung.
Eine Synthese von Malerei und Schreiben ist das Schriftbild, eine Textseite mit Abschnitten in wechselnden Farben und einer kleinen abstrakten Skizze in Rot.
Neben Bronze verwendete Werner Hilber Feinmetall und Blech für seine Skulpturen. Es sind oft Zwischenformen von Relief und Plastik. Ein Relief im Raum, wo der Leerraum die Plastik gleichwertig mitgestaltet. Sehr schön sichtbar wird die Wirkung der Hohlräume als mitgestaltende Fläche bei der Feinmetallskulptur, dabei sind zwei aus Metall ausgeschnittene Teile übereck gestellt. Dieses Einbeziehen der Leerräume in die Gestaltung entwickelte Jacques Lipchitz in den zwanziger Jahren mit seinen "Transparents", den sogenannten Durchsicht-Plastiken.

 Das Schaffen im Todesjahr 1989

Werner Hilbers schöpferische Energie hielt auch in seinen letzten Jahren an.Trotz Krankheit war es ihm vergönnt, bis zuletzt weiterzuarbeiten - erst eine Stunde vor seinem Tod legte er den Stift aus der Hand. Im Todesjahr entstanden viele Zeichnungen mit Farb- und Filzstiften und Kugelschreiber. Es scheint, er benutzte alles, was ihm unter die Hände kam. Diese späten Arbeiten zeichnen sich aus durch Leichtigkeit und helle, fröhliche Farben. Daneben gibt es mit feinem Strich gezogene Zeichnungen in Schwarzweiß. Vielen ist etwas Schwebendes eigen, Personen und Tiere fliegen oder tanzen durch den Raum, körperlos, schwerelos. Ein Anklang an sein Relief La joie de vivre, nur bereits transzendiert, nicht mehr von dieser Welt; ein Reigen der Seligen, Mensch und Tier friedlich miteinander vereint.

(Werner Hilber-Stiftung Hrsg; Werner Hilber, 2000)

 

Werner Hilber - Das Schaffen bis 1989
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