SUCHE
NEWS
Neueste Artikel

 
Kontakt
 
Mitarbeit
 
Stadt Wil
 
Hinweis
 


Mensch

Personen A-Z  >  Aebte des Klosters St. Gallen  >  Abt Berchtold von Falkenstein (1244-1272)

Abt Berchtold von Falkenstein (1244-1272)

Abt Berchtold von Falkenstein

Berchtold von Falkenstein, 1244-1272. Berchtold von Falkenstein stammte aus dem freiherrlichen Haus, das seine Stammburg Falkenstein im Schillachtal bei Schramberg in Württemberg hatte. Er wurde am 25.11.1244, am gleichen Tag, da Abt Walter seine Würde niederlegte, zum Abt gewählt, bis anhin war er Pförtner. Sogleich setzte er sich gegen die Toggenburger Grafen zur Wehr und konnte, unterstützt von Hartmann dem Älteren von Kyburg und von Bischof Heinrich von Konstanz, das Städtchen Wil nach fünfwöchiger Belagerung wieder einnehmen. Er versuchte den Frieden durch die Heirat seiner Verwandten Elisabeth von Bussnang mit Graf Kraft von Toggenburg abzusichern, doch der Toggenburger bemächtigte sich trotzdem schon bald der Iberg, der Burg eines sanktgallischen Dienstmannes, und der Abt vermochte sie erst wieder 1 524 nach der Ermordung des Grafen zurückzugewinnen. Gehörte Abt Berchtold anfänglich der Tradition der Abtei gemäß zur kaiserlichen Partei, so wechselte er noch vor 1246 das politische Lager und wurde einer der mächtigsten Führer auf päpstlicher Seite, was ihm das Wohlwollen Innozenz' IV. eintrug. Der Papst begünstigte ihn 1248 nacheinander als Kandidat bei den Vakanzen der Bistümer Basel, Chur und Konstanz, allerdings ohne Erfolg. Später erhielt Berchtold zahlreiche Privilegien, deren Ausübung ihn wiederholt mit Bischof Eberhard von Konstanz in Konflikt brachten. 1249-1250 bekämpfte der Bischof erfolglos die päpstliche Übertragung der Abtei Rheinau vom 7.9.1248 an den Abt von St. Gallen, erst am 1.7.1250 gab er nach. Wenig später kam es erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen um das Recht, die Bannalien einzuziehen und die Pfründen zu verleihen, das der Bischof auch für das äbtische Gebiet beanspruchte. Am 14.7.1254 wurde der Streit endgültig beigelegt, wobei der Abt als Sieger hervorging. Schließlich führte 1258 die Übertragung der geistlichen und weltlichen Verwaltung der Abtei Reichenau durch Papst Alexander IV. an Berchtold wiederum zu Spannungen, die sich lösten, als der St. Galler Konventuale Albert von Ramstein Abt der Reichenau wurde. Gemeinsam versuchten Bischof und Abt bei den Hinterlassenschaften der letzten Grafen von Kyburg und Rapperswil begünstigt zu werden, doch beide Male gingen sie leer aus. Die Erbschaft des Rapperswilers verteidigte für die schwangere Witwe Freiherr Walter V. von Vaz, der nächste männliche Blutsverwandte des verstorbenen Grafen Rudolf; auf die der Kyburger legte Graf Rudolf von Habsburg seine Hand, und 1266 bzw. endgültig am 16.7.1271 wurden zwischen ihm und Abt Berchtold alle strittigen Fragen geregelt. Während des Interregnums verließen er und Bischof Eberhard von Konstanz die päpstliche Partei, im Sommer 1257 sollen sie den Erzbischof von Trier nach Spanien begleitet haben, um Alfons von Kastilien die Wahl zum deutschen König anzuzeigen. 1262 empfingen sie Konradin in Konstanz und St. Gallen und besuchten Ende 1267 dessen Hoftag in Augsburg. Abt Berchtold hielt aufwendig Hof, sollen doch am Ritterfest, das er zu Pfingsten 1270 veranstaltete, über 900 Edelleute teilgenommen haben; unter ihm sind deutlich mehr Beamte nachzuweisen als unter seinen Nachfolgern. Trotz
der daraus erwachsenden hohen Kosten und der vielen Fehden, die die Ökonomie belasteten, gelang es ihm, den Finanzhaushalt in Ordnung zu halten, allerdings dank rücksichtsloser Ausnützung der Gotteshausleute. Zur Sicherung der Landesherrschaft errichtete oder erwarb er während seiner Regierungszeit die Burgen Blatten im Rheintal, Heldsburg am Monstein, Husen bei Berneck, Stättenberg, Grimmenstein, Mammertshofen, Hagenwil, Singenberg, Iberg bei Wattwil und Neu-Ravensburg. Die häufigen Steuererhebungen waren eine drückende Last. Als er für den Kauf von Grüningen 1500 Mark aus seinen Untertanen herauspressen wollte, da taten sich die von Grüningen, Wil, Appenzell, Wangen, Hundwil und St. Gallen noch kurz vor Berchtolds Tod zu einem heimlichen Bund zusammen. Am 10.7.1272 starb er in St. Gallen.

(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)

Abt Berchtold von Falkenstein (1244-1272)
zurück | drucken
Letztes Update: 02.10.2018 Korrekturen