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Personen A-Z  >  Aebte des Klosters St. Gallen  >  Abt Ulrich Rösch (1463-1491)

Abt Ulrich Rösch (1463-1491)

Abt Ulrich Rösch

Ulrich Rösch, 1463-1491. Geboren am 14.2.1426 in Wangen (Allgäu) als Sohn eines Bäckermeisters, "von klainfugem geschlecht, wiewol von frommen löten". Schon früh kam er nach St.Gallen und diente dort als "ain kuchibuob und aller dienstlüten knecht". 1451 wurde er Großkeller, von welchem Amt ihn Abt Kaspar am 6.10.1453 entsetzte. Nachdem er sich eine Zeitlang in Wiblingen in der Verbannung aufgehalten hatte, erhielt er am 25.5.1454 die Erlaubnis, nach St.Gallen zurückzukehren. Am 24.2.1456 erteilte Abt Berchtold von St. Stephan zu Würzburg an Abt Wolfram von Hirsau den Auftrag, mit Rösch zusammen in St. Gallen zu visitieren. Bei dieser Visitation wurde Kaspar von Breitenlandenberg als Abt suspendiert. Er rekurrierte gegen diesen Entscheid vor dem Provinzialkapitel in Erfurt und zog den Streit schließlich vor römische Gerichte. In diesem Prozeß wurde Ulrich Rösch neben anderen am 10.9.1457 von Administrator und Konvent zu ihrem bevollmächtigten Sachwalter ernannt. Er erreichte, daß am 9.11.1457 in einem Kompromißspruch durch Kardinal Aeneas Sylvius Piccolomini die Suspension von Abt Kaspar bestätigt und er selbst auf dessen Lebenszeit zum "administrator in spiritualibus et temporalibus" ernannt wurde. Diese Regelung wurde am 22.12.1457 von Papst Calixt III. bestätigt. Am 31.7.1462 erhielt er von Pius 11. die Bestätigung als Pfleger mit dem Recht auf Nachfolge. Als 1463 Abt Kaspar in Konstanz erkrankte und auf die Abtei resignierte, begab er sich nach Rom, wo er Vadian zufolge am 7.3., laut Datum der päpstlichen Bulle am 29.4. zum Abt ernannt wurde und am 1.5.1463 von Kardinal Nikolaus von Kues die Benediktion erhielt. Nach Bekanntwerden des Hinschieds von Abt Kaspar brach Rösch die Heimreise ab und kehrte nochmals nach Rom zurück, um sich seine Ernennung erneut bestätigen zu lassen, was Pius II. am 11.5. tat. Zu einer Visitation trafen am 26.1 1.1469 Abt Eberhard von St. Michaelsberg (Bamberg) und Johann Balmer, Kapitular zu Wiblingen, in St.Gallen ein. 1475 erhielt Abt Ulrich vom Papst die Erlaubnis, Altäre zu konsekrieren, Kapellen, Kirchen und Friedhöfe zu rekonziliieren, niedere Weihen zu spenden und dreißigtägige Ablässe zu erteilen. Im gleichen Jahr 1475 erbat er sich von Papst Sixtus IV. die Erlaubnis, daß der Konvent während dreier Tage der Woche Fleisch genießen könne. Bei einer Visitation durch die Äbte Georg von St. Stephan in Würzburg und Konrad von Wiblingen widersetzte er sich 1485 dem Begehren, sich einem der drei Reformzentren Deutschlands anzuschließen. Er hatte in St.Gallen unterdessen selber genaue Klausurvorschriften aufgestellt und die Disziplin gehoben. Verschiedene Male war er mit päpstlichen und kaiserlichen Missionen beauftragt: 1469-147o war er Kommissar Kaiser Friedrichs III. im Streit zwischen der Stadt Lindau und Graf Ulrich von Montfort. 1483 mußte er die Exkommunikationsbulle gegen Venedig den Eidgenossen überbringen. Sixtus IV. wollte ihn 1477 zum Kardinal ernennen, eine Ehre, die der Abt jedoch von sich wies. Durch mustergültige Verwaltung, Rückkauf von verpfändeten Rechten, Gütern, Erwerbung von Niedergerichten, Lösung der verpfändeten Reichsvogtei und Vereinheitlichung des Rechts (Offnungen, Landsatzung) wurde Abt Ulrich zum Schöpfer des Territorialstaats der Stiftslandschaft St.Gallen. Er erwarb einen Teil von Waldkirch (1461), dazu Obergoldach (1463), Niederhelfenschwil (1465), Bronschhofen (1465), Rossrüti (1466), Mörschwil und Untereggen (1469), Eggersriet (1474), Thurstuden (1482), Gebhardschwil (1486), Enkhäusern (1490) u.a.m. ; schließlich nach dem St. Gallerkrieg noch Steinach, Oberdorf und Andwil, um nur das Wichtigste aufzuzählen. 1464 hatte er die Vogtei Rorschach von Friedrich III. zurückgelöst, wo er 1487 Stock und Galgen erhielt. Außerdem kaufte er 1468 von Freiherr Petermann von Raron um 14 500 Gulden die umfangreiche Grafschaft Toggenburg. Einen folgenschweren Vertrag schloß er 1479 mit den IV Schirmorten Zürich, Schwyz, Luzern und Glarus (Hauptmannschaftsvertrag). Darnach sollte ein in zweijährigem Turnus wechselnder, in Wil residierender Hauptmann als Vertreter der Schirmorte dem Abt bei seinen politischen Aufgaben zur Seite stehen. Der Vertrag erhielt 1490 eine zusätzliche Erläuterung. 1483 erhielt er die päpstliche, 1485 die kaiserliche Einwilligung zur Errichtung einer ausgedehnten neuen Klosteranlage, die Kirche, Glockenturm, Schlafraum, Friedhof, Kreuzgang, Mühle, Weiher usf. umfassen sollte. Abt Ulrich unternahm den Bau des neuen Klosters in Rorschach, um sich größere Unabhängigkeit gegenüber der Stadt St. Gallen zu sichern. Da die St. Galler, Appenzeller und Rheintaler dies nicht dulden wollten, kam es zu offenem Aufruhr, in dessen Verlauf sie die begonnenen Bauten gewaltsam zerstörten (Klosterbruch 1489). Die Aufständischen hatten auch die äbtischen Untertanen zur Rebellion gebracht (Bund zu Waldkirch 1489). Die Auseinandersetzungen wurden durch Truppenaufmarsch und Machtwort der Schirmorte beendet, die Schuldigen und auch die Stadt St. Gallen empfindlich gebüßt. Der Abt mußte ebenso nachgeben und auf die Verlegung seiner Residenz verzichten. Rösch tat sich als Förderer von Kunst und Wissenschaft hervor. Verschiedene seiner Konventualen ließ er studieren. In seinem Dienst war mehrfach der Maler Hans Haggenberg beschäftigt, der unter anderem ein Wappen-buch schuf. Auch das Devotionale des Abtes legt Zeugnis ab vom Kunst-sinn des "Roten Ueli". Abt Ulrich ist eine der hervorragendsten Gestalten unter den Äbten des Gallusklosters, der an einem entscheidenden Abschnitt seiner Geschichte steht. Vadian, der ihn aus seiner Position heraus doch ganz ablehnen mußte, kann ihm trotz verschiedener gehässiger Ausfälle Anerkennung und Bewunderung nicht versagen. Am 13.3.1491 starb Abt Ulrich in Wil, beigesetzt wurde er im Kreuzgang des St. Galler Münsters. Die Inschrift des Grabmals, das 1531 "gebrochen und zerschlagen" wurde, enthielt den Passus: "Veste fuit Monachus, corde Monarcha fuit".

(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)

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Letztes Update: 02.10.2018 Korrekturen