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Die Belagerung von 1712

Die Belagerung von 1712

Wil hat viele unruhige Zeiten erlebt und vor allem überlebt. Doch im Frühjahr 1712 schien es, als hätte das letzte Stündlein für die Einwohner und die Stadt geschlagen. Die jahrzehntelang schwelenden Konflikte zwischen der Freiheit und Unabhängigkeit suchenden protestantischen Bevölkerung des Toggenburgs und dem Abt von St. Gallen waren bis vor die Tore Wils gedrungen. Schon bevor einige tausend Zürcher und Berner Truppen, unterstützt von 2000 Thurgauern und Toggenburgern vor Wil aufrückten, hatte Abt Leodegar Bürgisser in Wil eine Garnison von 2500 Mann gelgegt, die umgehend an die Verteidigung  gegangen waren. Bei Rickenbach und auf der Schabegg am Hofberg war schon im April ein Vorwerk mit Schützengraben errichtet worden. Der Friedhof von St. Peter wurde besonders stark befestigt und mit Geschützen bestückt, die Türme und Stadtmauern  ausgebessert und die Toreingänge mit Palisaden versehen. Dabei vergass man aber den Wald im Anmarschgebiet Bergholz zu verschanzen und zu befestigen, was schlimme Folgen haben sollte.

 Die Wiler Mannschaften wurden an den strategisch wichtigen Punkten verteilt. Das Banner und 80 Mann unter Schultheiss Dr. Müller standen beim Rathaus, 56 Mann unter Stadthauptmann Bernhard Rütti beim Rickenbachertor, 20 Mann unter Adelrich Müller beim Schützenhaus. Die Bewaffnung war schlecht, waren doch nur 19 Kanonen und etwa 160 Gewehre vorhanden. Die Stimmung der Verteidiger, die unter dem Kommando des ungeliebten äbtischen Obristwachtmeisters Kaspar Felber von Kaiserstuhl stand, war miserabel.

 Als am 17. Mai 1712 die versammelten Berner, Zürcher und Toggenburger von Bergholz und Rickenbach her den ersten Angriff unternahmen, wurde dieser jedoch von der Garnison zurückgeschlagen. Es folgten Tage der Belagerung unter dauerndem Kanonenbeschuss. Zudem war Oberst Felber mit 1200 Leuten am Donnerstag, den 19. Mai 1712  aus Wil nach Gossau gezogen, um dort die Verbindung mit St. Gallen zu sichern. Es wurde ernst. Am Samstagabend, den 21. Mai 1712, wurde das Bombardement von 12 Geschützen intensiv geführt, indem mit 54 Pfund schweren Kugeln und auch mit glühenden Kugeln vorgegangen wurde. Einige Häuser in der "Unteren" Vorstadt und in der Oberstadt gingen in Flammen auf, konnten aber rasch gelöscht werden. Nach der Rückkehr Oberst Felbers, dem der grösste Teil der Truppe fortgelaufen war, herrschte bis Sonntagmorgen Ruhe. Aber bereits um sechs Uhr begann die Kanonade, heftiger und genauer gezielt als zuvor. Es wurden 200- bis 300-pfündige Kugeln verwendet, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten. Eine der Bomben fiel in das Haus des Ratsherren Müller, eine in das Wirtshaus zum Löwen und zerschlug da die Böden, zerschmetterte alle Fenster und machte die Treppen unbrauchbar. Feuerkugeln rissen neun Scheunen in der "Unteren" Vorstadt ein und setzten sie in Brand.

Dies genügte den verängstigten Wilern; von älteren Bürgern gebeten, entschloss sich Oberst Felber zur Uebergabe der Stadt. Nachdem die Bedingungen einer Kapitulation in zehn Punkten niedergelegt waren, ritten bereits um zwei Uhr nachmittags die siegreichen Generäle Bodmer aus Zürich und von Wattenwyl für die Berner, auf dem Hofplatz ein. Ganze sechs Jahre, bis am 15. Juni 1718 Abt Josef einen Frieden schloss, blieb Wil unter fremder Besatzung. Der Rat bezifferte den ganzen Schaden, den die Stadt wegen der Belagerung und der darauffolgenden Entwaffnung erlitten hatte, auf 39500 Gulden, eine hohe Summe, die noch jahrzehntelang den Haushalt belastete. Die Folgen der ausgestandenen Aengste und Nöte der Wiler Einwohner sind zwar nirgends verzeichnet, doch um so deutlicher nachfühlbar.

Die Belagerung von 1712
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Letztes Update: 02.10.2018 Korrekturen